Ein Solifestival ist kein normales Konzert mit Spendenbox am Tresen. Wer fragt: Wie plane ich ein Solifestival, plant einen gemeinsamen politischen und kulturellen Raum – und trägt Verantwortung dafür, wohin Geld, Aufmerksamkeit und Energie fließen. Genau darin liegt die Stärke: Wenn Anlass, Programm und Organisation zusammenpassen, entsteht mehr als ein guter Abend. Es entsteht konkrete Unterstützung.
Wie plane ich ein Solifestival, das wirklich unterstützt?
Am Anfang steht nicht das Line-up, sondern der Zweck. Für wen wird gesammelt? Was wird finanziert? Geht es um Prozesskosten, antifaschistische Bildungsarbeit, eine bedrohte Initiative, medizinische Hilfe, einen selbstverwalteten Raum oder Unterstützung nach einem rechten Angriff? Formuliert das in ein bis zwei klaren Sätzen. Je konkreter ihr seid, desto eher verstehen Menschen, warum sie kommen, mithelfen und mehr als den Mindestpreis zahlen sollen.
Klären solltet ihr auch, wer das Geld entgegennimmt und wie es weitergegeben wird. Eine unterstützte Initiative kann direkt Spenden erhalten, oder ihr sammelt über eine verantwortliche Gruppe und überweist anschließend. Beides kann funktionieren. Entscheidend ist Transparenz: Kommuniziert vorab, ob Kosten vom Erlös abgehen, welche Kosten das sind und wann ihr die Summe veröffentlicht. Ein Soliabend verliert nicht seine Haltung, weil Miete, Technik oder Fahrtkosten bezahlt werden müssen. Problematisch wird es, wenn diese Fragen erst nach dem Festival auftauchen.
Ein gutes Solifestival braucht außerdem einen Anlass, der nicht nur im Ankündigungstext vorkommt. Gebt der unterstützten Gruppe Raum – etwa mit einem kurzen Redebeitrag, Infomaterial, einer Ausstellung oder einem moderierten Gespräch. Haltet es kompakt und freiwillig. Niemand kommt, um einen dreistündigen Vortrag abzuleisten. Aber ein Festival, das die politische Realität ausblendet, für die es sammelt, bleibt schnell bei Symbolik stehen.
Erst Team und Zuständigkeiten, dann Booking
DIY heißt nicht, dass zwei Menschen alles bis zur Erschöpfung machen. Baut früh ein Kernteam auf und verteilt Verantwortung klar. Eine Person kann den Gesamtüberblick halten, doch Tür, Kasse, Künstler:innenbetreuung, Technik, Awareness, Kommunikation und Abrechnung brauchen jeweils feste Ansprechpersonen. Schreibt Namen, Schichten und Telefonnummern in einen gemeinsamen Ablaufplan.
Besonders bei ehrenamtlichen Teams hilft es, zwischen Entscheidungen und Aufgaben zu unterscheiden. Das Kollektiv entscheidet gemeinsam über Zweck, Budgetrahmen und politische Linie. Die Umsetzung einzelner Aufgaben liegt dann bei den zuständigen Menschen. So muss nicht jede Kabelrolle in einer endlosen Chatdiskussion abgestimmt werden.
Plant auch Ausfälle ein. Wer übernimmt die Einlassschicht, wenn jemand krank wird? Wer kennt die Technik, falls die zuständige Person später kommt? Wer darf im Notfall eine Veranstaltung unterbrechen? Diese Fragen wirken unromantisch, sind aber die Grundlage dafür, dass alle auch einen Teil des Abends erleben können.
Budget: Solidarität braucht eine ehrliche Rechnung
Ein Solifestival muss nicht teuer sein, aber es ist selten kostenlos. Rechnet zuerst mit sicheren Ausgaben: Raummiete, Gagen oder Fahrtkosten, Ton- und Lichttechnik, Verbrauchsmaterial, GEMA, Versicherungen, Security oder Sanitätsdienst, Druck, Kasse und gegebenenfalls Übernachtungen. Dazu kommen kleine Posten, die sich summieren: Tape, Mehrfachsteckdosen, Wasser für Bands, Müllsäcke, Wechselgeld und Verpflegung für Helfende.
Danach fragt ihr euch: Was kann realistisch reinkommen? Eintritt auf Spendenbasis funktioniert gut, wenn ihr eine Orientierung angebt. „Zahlt, was ihr könnt“ ist solidarisch, kann aber ohne Richtwert zu wenig einbringen, um Kosten zu decken. Formulierungen wie „Empfohlen 10 bis 15 Euro, mehr hilft direkt“ machen die Lage verständlicher. Ermäßigte Tickets, Soli-Tickets und ein höherer Unterstützer:innenpreis können Zugang und Finanzierung verbinden.
Gagen sind kein Luxus. Gerade wenn Bands, DJs oder Künstler:innen selbst prekär arbeiten, sollte ihre Arbeit nicht automatisch als kostenlose Solileistung erwartet werden. Sprecht offen: Können und wollen sie auf eine Gage verzichten? Brauchen sie Fahrtkostenerstattung? Ist eine feste Mindestgage möglich? Ein Solifestival lebt von Freiwilligkeit, nicht von Druck auf diejenigen, die ohnehin wenig haben.
Haltet Einnahmen und Ausgaben nachvollziehbar fest. Nach der Veranstaltung gehört eine kurze Abrechnung in eure Kommunikation: Gesamteinnahmen, gedeckte Kosten, überwiesene Solisumme. Keine komplizierte Buchhaltungsoper – klare Zahlen schaffen Vertrauen und machen künftige Aktionen leichter.
Ort, Infrastruktur und Genehmigungen früh klären
Der beste Ort ist nicht immer der größte. Ein kleiner, voller Raum mit funktionierender Technik, erreichbarer Toilette und einem motivierten Team trägt oft weiter als eine überdimensionierte Halle mit hohen Fixkosten. Prüft Kapazität, Lärmschutz, Sperrstunde, Strom, Fluchtwege, Barrieren, Anlieferung und Möglichkeiten für Essen und Getränke. Bei Outdoor-Veranstaltungen kommen Wetter, Stromversorgung, Sanitäranlagen, Müll, Anwohner:innen und behördliche Auflagen hinzu.
Wenn ihr öffentliche Flächen nutzt oder spät und laut feiert, klärt Genehmigungen nicht auf den letzten Drücker. Dasselbe gilt für Ausschank, Jugendschutz und die Frage, ob Musikrechte anfallen. Was erforderlich ist, hängt von Ort, Format und Größe ab. Im Zweifel hilft eine frühe Anfrage bei Betreiber:innen, Kommune oder fachkundigen Menschen aus der lokalen Szene mehr als gefährliches Halbwissen.
Für Technik gilt: Plant nicht nur das, was auf der Bühne gut klingt. Ihr braucht ausreichend Stromkreise, sichere Kabelwege, Licht im Eingangsbereich, eine Durchsage-Möglichkeit und eine Lösung für Umbaupausen. Wer in Koblenz und Umgebung Unterstützung bei Infrastruktur sucht, kann etwa bei Latscho Koblenz anfragen – gerade Technik, Transport und praktische Erfahrung entscheiden oft darüber, ob ein DIY-Abend entspannt oder chaotisch wird.
Programm mit Haltung statt beliebiger Dauerbeschallung
Bucht Menschen, deren Arbeit und Haltung zum Anlass passen. Das muss nicht heißen, dass jede Band politische Parolen zwischen zwei Songs ruft. Aber ein Solifestival für Vielfalt und gegen Rechts wirkt unglaubwürdig, wenn das Booking ausschließlich bekannte Freundeskreise reproduziert oder problematische Acts mit „Kunst ist unpolitisch“ verteidigt.
Achtet auf ein vielfältiges Line-up und faire Bedingungen. Wer bekommt Sichtbarkeit? Wer spielt zu welcher Uhrzeit? Gibt es lokale Newcomer:innen neben etablierten Acts? Sind die Bühnenzeiten und Backstage-Bereiche für alle gut nutzbar? Ein kuratiertes Programm ist immer eine Entscheidung über Ressourcen – also trefft sie bewusst.
Weniger Programm kann sinnvoller sein als ein übervoller Abend. Rechnet realistisch mit Soundchecks, Umbauten, Pausen und der Aufmerksamkeit des Publikums. Wenn eine Initiative sprechen möchte, legt den Beitrag in einen Moment, in dem Menschen zuhören können, nicht parallel zum Getränkeausschank oder direkt vor dem Headliner.
Awareness und Sicherheit gehören auf den Ablaufplan
Ein Solifestival soll ein Raum sein, in dem Menschen feiern, sich informieren und organisieren können – ohne Angst vor Diskriminierung, Übergriffen oder rechter Einschüchterung. Dafür reicht kein Sticker mit dem Wort „Awareness“. Benennt ein erreichbares Awareness-Team, stellt Rückzugsräume bereit, besprecht Zuständigkeiten und kommuniziert sichtbar, welches Verhalten nicht akzeptiert wird.
Ein guter Code of Conduct darf klar sein: Kein Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Sexismus, Ableismus, Nationalismus oder übergriffiges Verhalten. Wichtig ist ebenso, was dann passiert. Wer ansprechbar ist, wer Hausverweise ausspricht, wie Betroffene geschützt werden und wann externe Hilfe gerufen wird, sollte intern vorher geklärt sein. Dokumentiert Vorfälle nur so, wie es für Betroffene sicher und notwendig ist.
Denkt auch an körperliche Zugänglichkeit. Gibt es stufenlose Wege? Ist eine barrierearme Toilette vorhanden? Können Menschen mit wenig Geld teilnehmen? Gibt es alkoholfreie, bezahlbare Getränke und Wasser? Nicht alles lässt sich an jedem Ort perfekt lösen. Aber Barrieren offen zu benennen und Verbesserungen einzuplanen ist besser, als sie zu verschweigen.
Mobilisierung beginnt nicht mit dem Poster
Kommunikation ist Teil der Soliarbeit. Erzählt nicht nur, wann und wo das Festival stattfindet, sondern warum es gebraucht wird. Nutzt eine klare Sprache, nennt die unterstützte Struktur, erklärt das Spendenziel und zeigt, welche Menschen mitmachen. Persönliche Statements, kurze Videos aus dem Vorbereitungsteam oder ein Einblick in die Arbeit der Initiative erzeugen mehr Verbindung als ein reines Line-up-Posting.
Plant die Ansprache in Wellen: erst Anlass und Termin, dann Programm und Mitmachmöglichkeiten, anschließend konkrete Hinweise zu Anreise, Eintritt, Barrierearmut und Awareness. Kurz vor dem Termin braucht es außerdem einen Aufruf für Helfende. Tür, Auf- und Abbau, Tresen und Küche sind keine unsichtbare Dienstleistung. Wer sich einbringen kann, sollte wissen, was gebraucht wird und dass die Arbeit wertgeschätzt wird.
Nach dem Festival endet die Aktion nicht an der Kasse. Bedankt euch bei Acts, Helfenden, Publikum und unterstützter Initiative. Veröffentlicht die Solisumme zeitnah und sagt, was sie ermöglicht. Wenn etwas schiefgelaufen ist, sprecht im Team darüber, ohne Schuldige vorzuführen. Jede gut ausgewertete Schicht, jeder gerettete Kabelweg und jede ehrliche Rückmeldung macht das nächste Solifestival handlungsfähiger.
Ein Solifestival muss nicht perfekt sein, um Wirkung zu entfalten. Es muss ehrlich organisiert, politisch klar und menschlich tragbar sein. Wenn Menschen danach mit Geld, neuen Kontakten, Wissen und dem Gefühl nach Hause gehen, dass sie nicht allein sind, hat euer Abend genau das geschafft, was solidarische Kultur kann.
